Anästhesietechnische Assistenz

Operationen ohne Narkose – dass es das tatsächlich einmal gegeben hat, ist unvorstellbar, aber wahr. Seitdem hat die Medizin zum Glück große Fortschritte gemacht. Als ATA sorgst du mit dafür, dass Patienten während ihrer Operation keine Schmerzen empfinden. Bevor es los geht, bereitest du sie mit viel Einfühlungsvermögen auf den Eingriff vor. Du kümmerst dich darum, dass Narkosemittel und funktionstüchtige Narkosegeräte bereitstehen. Während der OP achtest du auf die Einhaltung der Hygiene- und Kleidungsvorschriften und – was noch wichtiger ist – du behältst die Vitalfunktionen der Patienten im Blick. Für den Fall, dass es zu Komplikationen kommen sollte, unterstützt du als rechte Hand die Anästhesistin oder den Anästhesisten.

Nach deiner anspruchsvollen 3-jährigen Ausbildung kannst du in Krankenhäusern, Fach- oder Uni-Kliniken und in Arztpraxen, in denen Operationen durchgeführt werden, arbeiten. Du bist in OP-Sälen, in Aufwachräumen, der Schmerzambulanz oder in der Sterilisationsabteilung tätig und arbeitest dort mit vielen Kollegen und Kolleginnen aus anderen Berufsgruppen eng zusammen. Ein multiprofessionelles Team besteht z.B. aus Ärzten, Anästhesisten, Notärzten, Pflegekräften oder Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Funktionsdienstes. Gemeinsam für das Wohlergehen und die Genesung von OP-Patienten – dafür setzt du dich ein!

Lernbereiche

Unsere integrierte Ausbildung zur Operationstechnischen bzw. Anästhesietechnischen Assistenz wird nach der Empfehlung der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) vom 17.09.2013 angeboten.

Um beruflich handlungskompetent agieren zu können, werden die theoretischen Inhalte in vier Lernbereichen vermittelt.

1. Kernaufgaben der ATA
2. Spezielle Aufgaben der ATA
3. Ausbildungs- und Berufssituationen von ATA
4. Rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen

Diese vier Lernbereiche sind wiederum in kleinere Lerneinheiten unterteilt, um den allgemein anerkannten Stand technischer, medizinischer (z. B. Anatomie, Physiologie und Pathologie) und bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse (z. B. aus Psychologie und Soziologie) zusammenhängend vermitteln zu können. Eine Lerneinheit, die beispielhaft für die angestrebte Vernetzung von fachlichen, personellen, sozialen und methodischen Kompetenzen ist, heißt Schmerzmanagement.

Ausbildungsverlauf

Die angebotene Ausbildung zur Operationstechnischen bzw. Anästhesietechnischen Assistenz dauert in Vollzeit drei Jahre. Sie besteht aus theoretischem und praktischem Unterricht (siehe Lernort Schule) und einer praktischen Ausbildung (siehe Lernort Praxis).

Die integrierte Ausbildung umfasst mindestens 1.600 Stunden Unterricht und mindestens 3.000 Stunden praktische Ausbildung. Diese theoretischen und praktischen Ausbildungsphasen wechseln in einem für drei Jahre festgelegten Turnus.

Frühestens ab vier Monate vor Ende der Ausbildung beginnt der Prüfungszeitraum, um den Abschluss als Operationstechnische oder Anästhesietechnische Assistentin/ Assistenten zu erlangen. Die Prüfung besteht aus einer schriftlichen, mündlichen und praktischen Prüfung.

Die Probezeit beträgt 6 Monate. Am Ende der Probezeit legen sich die Auszubildenden endgültig für ein separates Berufsbild fest. Du entscheidest, ob du ATA oder OTA wirst.

Lernort Schule

  • Unsere Ausbildung zielt neben der Entwicklung der Fachkompetenz auch ausdrücklich auf die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung des Auszubildenden ab.
  • Toleranz und Respekt prägen unser Miteinander in unserem theoretischen und berufspraktischen Unterricht.
  • Ermutigung und Lob sind uns ebenso wichtig wie gegenseitige Korrektur und konstruktive Kritik.
  • Wir legen Wert auf den Gebrauch einer sachbezogenen, gewaltfreien und wertschätzenden Sprache.
  • Die Freude am und die Selbstverantwortung für das Lernen sollen gefördert werden.
  • Unsere Anliegen machen wir transparent und setzen diese mit Überzeugung und Einfluss, statt mit Macht und Autorität um.
  • Wir lassen nicht zu, dass vereinbarte Regeln unterlaufen werden.
  • Die Gesundheitsförderung für die Gesundheit von Auszubildenden und Lehrenden liegen uns am Herzen.

Motivierte Lehrkräfte, Praxisanleiter und Praxisanleiterinnen sowie unsere Sekretärin freuen sich über ergebnisorientierte, engagierte und tolerante Auszubildende, die an ihren Aufgaben wachsen und sich kompetent entwickeln wollen. Für diese individuelle Entwicklung stellen wir modern ausgestattete Unterrichtsräume, einen skillslab Raum für berufspraktischen Unterricht, eine Bibliothek, einen PC-Raum und ein Simulationszentrum zur Verfügung.

Ein zielorientierter Theorie–Praxis–Transfer wird durch die enge Zusammenarbeit mit dem Lernort Praxis gewährleistet.

Lernort Praxis

Der Lernort Praxis ist mit mindestens 3.000 Stunden der prägendste Ausbildungsbereich im Verlaufe der drei Ausbildungsjahre.

Pflichtfachgebiete

  • Abdominalchirurgie                                                     
  • Traumatologie oder Orthopädie                                  
  • Gynäkologie/Kreißsaal oder Urologie                         

Wahlpflichtfachgebiete

  • Gefäßchirurgie
  • Augenchirurgie
  • HNO
  • Thoraxchirurgie
  • Neurochirurgie
  • Anästhesie bei Kindern
  • Aufwachraum                                                               
  • andere (z. B. Plastische Chirurgie, je nachdem, welche Anä-Fachgebiete der Kooperationspartner vorhält)

Weitere Pflichteinsatzgebiete

  • Ambulantes Operieren (§ 115b SBG V)                      
  • Ambulanz/Notfallaufnahme                                          
  • Zentralsterilisation                                                       
  • Schmerzambulanz                                                        
  • Endoskopie                                                                   
  • Operationsdienst                                                         
  • Pflegepraktikum auf einer Station eines chirurgischen Fachgebietes

Neben der Selbstverantwortung für ihr/sein Lernen hat jede/r Auszubildende ausreichende unter Anleitung stehende Arbeitsplätze für die praktische Ausbildung zur Verfügung. Die Anleitung in der Praxis sorgt dafür, dass die Auszubildenden schrittweise an die eigenständige Wahrnehmung beruflicher Aufgaben herangeführt werden.

Berufliche Perspektiven

Der Fort- und Weiterbildungsbereich ist deutschlandweit für die OTA | ATA im Aufbau und Wachstum. Typischerweise gibt es berufspädagogische Zusatzqualifikationen zu Praxisanleiter, Fortbildungen bzw. Weiterbildungen im Wundmanagement, im Schmerzmanagement, im OP-Management, zur Leitung einer Abteilung.

Im tertiären Bildungsbereich sind Bachelor-Abschlüsse, u.a. im Gesundheits- oder Pflegemanagement, möglich.

Highlights in der Ausbildung

Tag der offenen Tür

OTA und ATA Auszubildende des ersten Ausbildungsjahres führen einmal jährlich einen Tag der offenen Tür in der OTA/ ATA Schule durch, der gemeinsam mit dem auf dem Campusgelände befindlichen Klinikum und dessen Zentral OP verbunden wird.  Die Black Box OP, deren Ausbildungsberufe und Verantwortlichkeiten soll so informativ und erklärend der interessierten Gesellschaft geöffnet und Ängste abgebaut werden.

Ebenso haben die interessierten BesucherInnen die Möglichkeit, auf kurzem Weg vom Zentral OP in die ausbildende OTA- ATA Schule zu wechseln und von Auszubildenden anschaulich diese innovative und vielseitige Ausbildung zur OTA bzw. zur ATA im persönlichen Gespräch vorgestellt zu  bekommen.

Die Feedbacks aus den Jahren 2019 und 2020 sind uns Ansporn nach neuen Lösungen zu suchen, auch unter veränderten Rahmenbedingungen dieses Angebot durchführen zu können.

Bewerberassessment

Wir bilden Teamplayer aus!“

Ihr erlebt bei uns nicht das klassische Vier – Augen Bewerbungsgespräch, hier sitzen alle an einem Tisch, eure zukünftigen PraxisanleiterInnen, KlassenleiterInnen, OP- oder Anästhesieleitungen und beobachten euch in Kleingruppen beim Absolvieren von vier aufeinander aufbauenden Stationen.

Ihr könnt dabei etwas über euch selbst und über euren Traumberuf lernen, bewirb dich jetzt und mach mit!

Peermentoring & Peerteaching

„Interprofessionelle Zusammenarbeit als sozialer Prozess“

„….und was machst du so?“ Auszubildende der OTA/ ATA tauschen sich mit Auszubildenden Pflegefachpersonen intensiv zu ihren Tätigkeiten vor, während und nach einer Operation aus und stellen fest, dass Patientenlagerungen im OP nicht Patientenlagerungen im Pflegebereich sind, obwohl sie sprachlich identisch sind. Was dabei anders ist, erfährst du, wenn du dich für den Beruf der OTA oder ATA bei uns entscheidest.

„Für einen guten Einstieg auf Augenhöhe“

Zum Ausbildungsbeginn hast du zur Orientierung einen echten Experten „an der Hand“, der weiß, was am Anfang wichtig ist… .

Die Mentoren, OTA und ATA Auszubildende des 1. Ausbildungsjahres, die ein Jahr vor dir, die Ausbildung an unserer Schule begannen, sorgen dafür, dass ihr als Mentee face to face Antworten auf eure Fragen findet, dass Instrumente mit historischem Bezug unter „Es war einmal…“ vorgestellt werden und dass du weißt, „Was hat das Kocher Manöver mit der Kocher Klemme zu tun?“

Hospitationswoche

Deinen ersten Theorieturnus schließt Du mit der Hospitationswoche ab. Dein Mentor,  Auszubildende des vorangegangenen Ausbildungsjahres, Deine PraxisanleiterInnnen und Lehrkräfte werden Dich bei Deinen ersten Schritten im OP begleiten.

Alle wichtigen Informationen und Orientierung in deinem zukünftigen Team werden dir gezeigt und mitgeteilt. Hier wirst Du vielleicht das erste Mal den DaVinci-Roboter beim Operieren im Einsatz sehen und erkennen, wie bedeutsam Patientensicherheit in deinem Beruf ist. Du wirst beobachten können, wie gut Fachkräfte im OP und in der Anästhesie miteinander kommunizieren können ohne zu sprechen und was Checklisten und Team Time out sind. Du wirst die Bedeutung von Small Talk erkennen und von professioneller Kommunikation mit PatientInnen aller Altersklassen.

Strahlenschutzkurs

Wir möchten nicht nur „Knöpfchen“ Drücker im OP ausbilden, gleichwohl werden euch die Einsätze in der Angiografie (Gefäße durchleuchten), Herzkatheter (Herzgefäße darstellen) oder in der Unfallchirurgie (bei Knochenbrüchen) zeigen, wie wichtig „Knöpfchendrücken“ im Umgang mit Röntgenstrahlen für eine gute Diagnose ist. Deshalb ist es ein Ausbildungsziel, dass ihr die Kenntnisse im Strahlenschutz erlangt. Im Hauptfokus liegen dabei der eigene und der Patientenschutz sowie der sichere Umgang mit Strahlung. Jedes Jahr macht dieser Kurs den Auszubildenden sowie den Fachdozenten viel Spaß.

Special Olympics

Gesellschaftliches Engagement zeigen und berufliches Handeln im gesellschaftlichen Kontext gestalten, das kannst du mit uns beim Unterstützen des zweimal jährlich stattfindenden Wettkampfes für Menschen mit Beeinträchtigungen. Du sorgst dafür, dass alles rund laufen kann, dass die Starts pünktlich beginnen können und am Ende jeder Sportler seine Urkunde bei der Siegerehrung erhält.    

Azubi OP

„Wer, wenn nicht wir!“

ATA und OTA – Auszubildende am Ende des 3. Ausbildungsjahres leiten selbstorganisiert zwei Operationssäle über zwei Wochen im selbstgeschriebenen Dienstplansystem.

Dabei werden die interprofessionelle Kommunikation im multiprofessionellen Team genauso gefordert, wie die Fähigkeit gemeinsam an einem Strang zu ziehen und den OP Ablauf patientensicher und als Team zu gestalten.

Das Fazit der Auszubildenden zum AZUBI OP ist eine hervorragende selbstorganisierte Prüfungsvorbereitung für  die praktischen Prüfungen, die einige Wochen später von jedem Prüfling durchgeführt werden.   

*Schulische Eignung

  • mittlerer Schulabschluss oder eine andere gleichwertige, abgeschlossene Schulbildung oder
  • erfolgreicher Abschluss einer sonstigen zehnjährigen allgemeinen Schulbildung oder
  • Hauptschulabschluss oder gleichwertige Schulbildung, zusammen mit

a) einer erfolgreich abgeschlossenen Berufsausbildung von mindestens zwei Jahren Dauer oder
b) einer Erlaubnis als Krankenpflegehelfer / Krankenpflegerhelferin oder einer erfolgreich abgeschlossenen landesrechtlich geregelten Ausbildung von mindestens einjähriger Dauer in der Krankenpflegehilfe oder Altenpflegehilfe oder einer anderen gleichwertigen Ausbildung